Soltauer Segler bezwingen Cap de Formentor auf dem Rundtörn Mallorca
Wer segelt, der hat, wie in jeder anderen Sportart auch, seine Vorbilder und kennt ansonsten die Geschichten von berühmten Seglern und ihre Ziele, die sie erreicht haben: von der Entdeckung der Magellanstraße am Kap der Jungfrauen im Jahr 1520 über die berühmten Kaphoorniers, die noch Anfang des 20.Jahrhunderts auf großen Frachtseglern Kap Hoorn umsegelt haben – bis heute, wo die jüngeren Segler ihren Helden wie Boris Herrmann nacheifern, der mit unglaublichen Geschwindigkeiten über die Weltmeere alle Kaps umsegelt und Seegebiete wie die ‚brüllenden Vierziger‘ erreicht hat, wo starke Westwinde zwischen dem 40. und 50igsten Breitgrad auf der Südhalbkugel so laut sind, dass sie einem das Fürchten lehren können. Und dennoch: die Sehnsucht nach dem weiten Meer treibt sie an, der Wind ist ihr Freund und sei’s drum, das Ende der Welt kann mit dem Segelschiff erreicht werden.
Auch einige Mitglieder des Soltauer Segelvereins zieht es jedes Frühjahr wieder aufs Meer – und wenn es nicht Kap Hoorn sein kann, dann suchen sie ihr Glück und ‚das Ende der Welt‘ eben in unseren Breitengraden. Dabei wird der Begriff „Ende der Welt“ auch für mythische Orte wie z.B. das Cabo de São Vicente an der südwestlichsten Spitze des europäischen Festlandes in Portugal verwendet. Da waren Soltauer Segler im letzten Jahr und erreichten später sogar Nordafrika.

In diesem Jahr sollte das ‚mächtige‘ Cap de Formentor an der Nordspitze Mallorcas ‚bezwungen‘ werden. Und so machten sich Günther Thiehoff und Thomas Körtge zusammen mit einem dritten Segler aus Wuppertal auf ins Abenteuer: Vom königlichen Hafen in Palma ging es an der Westkünste Mallorcas entlang über Port d‘Andratx und Port de Sóller in die Bucht von Pollença – aber vorher wartete das Cap de Formentor.



Mit zwei Meter hohen Wellen und achterlichem Wind der Stärke sechs ritten sie gegen Mittag des vierten Tages mit vollen Segeln und mit Lifebelt und Rettungsweste, am Cap entlang, bevor der Skipper mitten in der Umrundung starke böige Fallwinde auf der Rückseite auf das Schiff und seine Besatzung zukommen sah. Schnell wurden die Segel halb gerefft und damit dem Wind seine Kraft genommen.
Mit ordentlich Schräglage segelten die Soltauer dann den langen Schlag sicher bis zum Porto de Pollença und hatten dabei ihren erhofften Segelspaß. Spätestens beim Anlegerbier im Hafen waren sie sich einig: So muss es sich auch für Segler angefühlt haben, die Kap Hoorn umrundet haben.



Danach warteten auf der Weiterreise nicht nur Häfen wie Cala Rajada und Portocolom, sondern auch wunderschöne kleine Buchten zum Ankern für die Nacht. Zuletzt sollte die Insel Cabrera im Süden Mallorcas zum schönsten Ziel der Reise werden: Überreste einer Festung aus dem 14. Jahrhundert hoch über dem geschützten Naturhafen mitten in einem Nationalpark bescherte den Seglern zwei erlebnisreiche Wandertage und frischen Fisch am Abend in der Kombüse.
Wenn auch manches in diesem Bericht nach Seemannsgarn klingen mag, so ist die Geschichte doch wahr und unvergesslich. Zwei Wochen nach Rückkehr in Palma wechselte die Crew und Vereinsmitglied Volker Brandt aus Schneverdingen kam an Bord.

Die ‚Reise‘ geht weiter – im August geht es ab Flensburg auf Flottille; drei Schiffe sind gechartert.
